80. Todestag des Heimatdichters Franz-Joseph Ahles

„Es ist der Lauf der Welt, dass in das Blühen und Prangen das bitt´re Sterben fällt. – So musste auch in der schönen Frühlingszeit der „Sänger vom Kordigast“ Franz Josef Ahles dem Leben Valet sagen. Gestern Vormittag wurde er auf dem Friedhofe zu Altenkunstadt der Grabesruhe übergeben.“ Mit diesen Zeilen beschrieb das Lichtenfelser Tagblatt in seinem Zeitungsbericht am 13. April 1939 die Beisetzung Ahles auf dem Friedhof zu Altenkunstadt. Im Bericht wurde betont: „Besonderen Abschied hatte das Lichtenfelser Tagblatt vom Dichter zu nehmen, der so oft die Feder geführt, um durch die Heimatzeitung zu seinen Landsleuten von dem zu sprechen, was seine Seele bewegte.“

Landwirt und Besenbinder

Franz-Joseph Ahles wurde am 18. September 1869 in Würzburg geboren. Sein Vater stammte aus Burkheim, seine Mutter aus dem baden-württembergischen Gerchsheim. Mit 17 Jahren zog Ahles zusammen mit Eltern und Geschwistern nach Burkheim, dorthin, wo das Leben billiger und die Luft reiner sei, wie er später einmal sagte. Ahles litt zeitlebens an Tuberkulose. „Am Kordigast hat er sich immer Eichenrinde geholt und daraus einen Tee zubereitet. Danach ging es ihm besser“, erinnerte sich eine Zeitzeugin. Nach der Schulzeit arbeitete er in einer Buchdruckerei in Würzburg. Doch aus gesundheitlichen Gründen ging er wieder nach Burkheim zurück und übernahm 1902 das kleine Rittergut von nur vier Tagwerk seiner Eltern. Doch von den Erträgen seiner kleinen Landwirtschaft konnte Ahles nicht leben, deshalb verdiente er sich in den Wintermonaten als Besenbinder ein bescheidenes Zubrot, und er verfasste Gedichte. Gerade beim Besenbinden hatte er die meisten Einfälle.

Zwischen 1910 und 1930 entstanden Hunderte von Versen, die zum Teil auch im Lichtenfelser Tagblatt veröffentlich wurden. Manche sind von der Begeisterung für die Natur geprägt, andere von den Menschen, denen Ahles begegnete. Wieder andere von den Orten seiner Kindheit oder von geschichtlichen Ereignissen. Spannend auch seine Gedichte über den Ersten Weltkrieg, die zunächst von Euphorie geprägt sind, sich später aber immer kritischer mit dem Krieg auseinandersetzen. 

Im September 1912 erschien die erste Auflage der Lieder des „Sängers vom Kordigast“ im Eigenverlag. Ein Jahr später die zweite Auflage und 1923 das dritte Büchlein. Letzteres war nur durch die finanzielle Unterstützung des Bauunternehmers und Landtagsabgeordneten Hans Diroll möglich. 

Aufträge bei Hochzeit, Taufe oder einem runden Geburtstag

Im Wirtshaus des heutigen Gasthofes Fiedler in Burkheim war Ahles bei der heimischen Vereinswelt ein gern gesehener Gast. Die Bücher von ihm waren auf den Tischen in der Wirtsstube gelegen. Wenn im Gasthof ein größeres Ereignis anstand, wie Hochzeit, Taufe oder ein großer Geburtstag, dann schrieb Franz-Joseph Ahles ein Gedicht für den besonderen Anlass. Meist konnte man den Dichter im Kuhstall antreffen. Zum Schreiben eines neues Gedichtes brauchte er nicht lange. Er ging in den Hof und hat, ohne noch mal durchzulesen, ein Gedicht geschrieben. Das neue Werk überreichte er der Wirtin und die hat ihm dafür bei nächster Gelegenheit einen Schoppen Wein gegeben. Was die Einheimischen am meisten faszinierte war, dass Ahles all seine Gedichte aus der Erinnerung heraus rezitieren konnte. 

Bald war sein Ruf über Burkheim hinaus gedrungen und man fragte beim „Borkumme Ahles“ nach Gedichten. Einmal war sogar der Bayerische Rundfunk in dem kleinen Dorf am Fuße des Kordigastes. Da stand dann ein Auto des BR vor dem Haus des Heimatdichters. Am Abend haben ihn die Leute mit seinem Gedicht von der Waschfrau im Radio gehört. 

Jedes Kommunionkind im Ort bekam ein Büchlein

Erst im Alter von 49 Jahren heiratete Ahles die Burkheimerin Anna Kohles. Seine Sympathien für die bayerische Volkspartei brachte ihm 1933 eine zeitweilige Schutzhaft ein. Ahles starb am Ostermontag, den 10. April 1939 im Alter von 69 Jahren an einer doppelseitigen Lungenentzündung. Nach seinem Tod hat ein Zeitlang jedes Kommunionkind im Ort ein Buch des Heimatdichters bekommen. Die Bücher auf den Tischen im Wirtshaus haben im Laufe der Zeit auch ihre „Abnehmer“ gefunden.

80 Jahre nach dem Tod des Sängers vom Kordigast erinnert noch eine Gedenktafel auf dem Altenkunstadter Friedhof. Der derzeitige Zustand wird von vielen als würdelos empfunden. Der Bauausschuss der Gemeinde hatte deshalb bei einem Ortstermin beschlossen, die Tafel an einem neuen Standort auf einem Pult aufzustellen. Dieses Vorhaben ist lobenswert, denn am 18. September jährt sich ebenso der 150. Geburtstag des Heimatdichters aus Burkheim.

Andreas Motschmann

 

Frühlingstage

Ist das ein Grünen und ein Blühen,

Ein Knospensprengen weit und breit;

Ist das ein reiches Farbenglühen

In wonnenreicher Frühlingszeit.

Die Veilchen duften schon im Hage,

Die Primeln auf der Wiesenflur,

Es geht durch sonnenhelle Tage

Des neuen Lebens lichte Spur.

Ist das ein Sprossen und ein Treiben,

Ein österliches Auferstehn;

Wer möchte da zu Hause bleiben,

Jetzt heißt´s in Gottes Garten gehen.

Die Schöpfungswunder sich erneuen;

Auf Baum und Strauch liegt Blütenschnee;

Wie soll sich da ein Herz nicht freuen,

Vorbei ist Winter´s Leid und Weh´.

Die Schwalben segeln durch die Lüfte, 

Das Bächlein hüpft durch´s grüne Tal,

Die Blumen sprengen ihre Grüfte,

Hervorgelockt vom Sonnenstrahl.

Seid mir gegrüßt, ihr Lenzes-Tage;

Ihr gleicht der Zeit so wunderbar,

Da auf der Welt noch keine Plage,

in Eden keine Schlange war.

Franz Josef Ahles

Poesien eines Besenbinders steht auf der Titelseite des 2. Gedichtbandes von Franz Josef Ahles.

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