Sage belegt die frühere Armut der Dorfbevölkerung / Nepomuk-Statue heute noch zu sehen

Mit Volkssagen begeben wir uns auf eine Reise in die Vergangenheit der Kulturlandschaft am Obermain und entdecken dabei an Felsen, Burgruinen, Mühlen und vielen anderen geheimnisvollen Orten spannende Geschichten. Was von der Nepomuk-Statue in einem Garten in Baiersdorf bei Altenkunstadt erzählt wird, erweckt dieses Mal unser Interesse.

Die kurze Sage im Wortlaut: „Drei Jungfrauen von der Burg Niesten wanderten regelmäßig zum Schloss nach Maineck. Auf ihrem Weg kreuzten sie dabei den Ort Baiersdorf. Als sie immer wieder erleben mussten, wie arm die Menschen dort waren, versprachen sie zu helfen. Die eine stiftete eine Kapelle, die andere eine Nepomuk-Statue und die dritte ließ einen steinernen Fußweg über die nassen Wiesen legen.“ 

Kapelle, Nepomuk-Statue und steinernen Fußweg gestiftet

Die Sage belegt die frühere Armut der dortigen Einwohner, von der auch in anderen Quellen öfters die Rede ist. Das kleine in der heimischen Mundart Baaschdoff genannte Dorf litt im Dreißigjährigen Krieg sehr unter Truppendurchmärschen. Krankheits- und Seuchenwellen forderten ab 1634 zahlreiche Opfer, nicht nur in Altenkunstadt, Woffendorf und Weismain, sondern auch in Baiersdorf. Außerdem illustriert die kleine Geschichte frühere Verkehrsverbindungen und Pfarreigrenzen. Jahrhunderte lang gehörte Baiersdorf zur Pfarrei Weismain, während Schammendorf, Geutenreuth und Krassach nach Altenkunstadt pfarrten. Erst 1820 wurde Baiersdorf nach Altenkunstadt eingepfarrt.

Statue wird heute noch liebevoll gepflegt

Im Garten des Anwesens Müller, Am Hügel 2, sehen wir noch heute die Nepomuk-Statue. Die lateinische Inschrift lautet in deutscher Übersetzung: „Heiliger Nepomuk, bitte für uns. Gestiftet von Adam und Anna Martin im Jahr 1738“. In unmittelbarer Nähe führte die alte Straße von Niesten nach Maineck vorbei. Die Statue ist bestens erhalten und wird von der Familie Müller liebevoll gepflegt. Sie haben sie auf eigene Kosten restaurieren lassen. Frau Müller: „Die Statue stand immer an dem Platz, unsere Familie hat das Grundstück dazu gekauft. Dort befand sich auch ein Bächlein mit einem Brunnen, an dem die Pferde und das Vieh getränkt wurden.“

Große Herren können nicht in die Baiersdorfer Kapelle!

Neben ihrem Grundstück stand ebenso die alte Kapelle. In der Sage heißt es, eine der Niestener Burgfräulein habe sie gestiftet. Es war der alte Kirchenweg. 1953 hatte die alte Kapelle ausgedient; an anderer Stelle war das neue Baiersdorfer Gotteshaus errichtet worden. Hier ist jetzt alles überbaut. Nur das Straßenschild „Alter Kapellenweg“ erinnert an das erste Baiersdorfer Kirchlein, von dem man sich erzählte: „Große Herren können nicht in die Baiersdorfer Kapelle!“ War dieser Satz nicht wörtlich, sondern eher im übertragenen Sinn gemeint? Heute kümmert sich der Kapellenbauverein um das Wohl der Kapelle.


Die Nepomuk-Statue aus dem Jahr 1738 steht heute noch im Garten der Familie Müller.

Am südöstlichen Ortsrand befindet sich das Straßenschild „Alter Kapellenweg“.

Im 21. Jahrhundert erinnert nichts mehr im schmucken Baiersdorf an die Armut früherer Zeit. Viele Urlauber besuchen bei ihrer Wanderung das fast 500-Einwohner-Dorf. Eine Dorferneuerung ist geplant. Eine Dorflinde soll in der Ortsmitte gepflanzt und der Wanderparkplatz soll erweitert werden.

Gab es die drei Niestener Burgfräulein wirklich?

Ist die Existenz der drei Niestener Burgfräulein eine Erfindung fantasiebegabter Sagenerzähler? Was wissen wir aus der Heimatgeschichte? Erstmals schriftlich erwähnt wurde Baiersdorf im Jahr 1124 als „Beirstorf“. Luitpold von Baiersdorf, Ritter des Bischofs von Bamberg, erscheint als Zeuge bei Schenkungen. Die vielleicht schon um das Jahr 1000 angelegte Burg Niesten – einst „Nienstein“ genannt – wird erstmals 1128 erwähnt. In den alten Schriften finden wir keine Hinweise auf die drei Burgfräulein, obwohl die Burg Niesten und Baiersdorf im gleichen Zeitraum existierten.

Letzte Herzog von Andechs-Meranien verstarb auf der Burg

Oberhalb des kleinen Juradorfes Niesten bei Weismain stehen die Reste der einstmals bedeutenden Burg. Wenn man heute durch das abseits gelegene Dorf Niesten mit seinen knapp 50 Einwohnern schlendert und auf die Umgebung schaut, wird kein Wanderer erahnen, dass er in der Nähe eines geschichtsträchtigen Ortes wandelt. Aufgrund ihrer geografischen Lage an der damals wichtigen Altstraße Bamberg–Scheßlitz–Weismain dürfte die Burg eine bedeutende Schutzfunktion beim Landesausbau in dieser Region gehabt haben. Hier starb am 19. Juni 1248 der letzte und kinderlose Herzog von Andechs-Meranien. Es überrascht nicht, dass sich um seine Person und die Burg viele Geschichten ranken. Eine Sage vom Zauberbuch des Herzogs und die Geschichte von den drei spendablen Burgfräulein sind die bekanntesten Sagen.

Andreas Motschmann

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